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	<title>teilnehmer.ws &#187; Männlichkeit</title>
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	<description>Bürgerrechte, Freiheit, Datenschutz und Menschenwürde.</description>
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		<title>Finstere Blicke wie Muränen.</title>
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		<pubDate>Wed, 14 May 2008 10:41:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>teilnehmer1</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Männer schauen finster drein. Ich laufe durch die Stadt, und immer wieder treffe ich Männer, die nicht einfach nur rumlaufen, nein, sie gehen durch die Stadt, wiegen ihre Schultern und schauen finster drein. Mundwinkel leicht nach unten, Kinn leicht nach vorne, und wenn man sie anschaut, vergeben sie Blicke wie Muränen. Lieber weggucken. Was ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Männer schauen finster drein. Ich laufe durch die Stadt, und immer wieder treffe ich Männer, die nicht einfach nur rumlaufen, nein, sie gehen durch die Stadt, wiegen ihre Schultern und schauen finster drein. Mundwinkel leicht nach unten, Kinn leicht nach vorne, und wenn man sie anschaut, vergeben sie Blicke wie Muränen. Lieber weggucken.</p>
<p>Was ist da los? Es kommt mir so vor, als sähe ich mehr Frauen, die halt einfach schauen. Weder finster, noch drein, die schauen einfach. Manchmal tragen sie ein Lächeln, manchmal nicht, diese finsteren Blicke jedenfalls sind seltener. Vor ein paar Tagen stieg ein junger Mann in den Zug ein, der lächelte, und ich war überrascht &#8211; da erst wurde mir der Kontrast so richtig bewusst.</p>
<p>Cool sein. Hart sein. Lässig sein. All das assoziiere ich mit den Muränen-Blicken, und mein zweiter Gedanke ist Mitgefühl. Das muss extrem anstrengend sein, permanent aufzupassen, ob man auch gerade ausreichend kühl ist. Oder merkt man es womöglich gar nicht? Sind die Blicke wie Muränen nur Ausdruck einer Haltung? Fühlen diese Männer sich etwa so, wie sie aussehen? Garstig, angestrengt, lässig.<br />
Der erste Gedanke ist übrigens Abwehr. Ich fühle mich fast angegriffen von diesen Blicken. Als wenn man durch ein Minenfeld geht. Muränenminen-Mienen haben sie.</p>
<p>Aber zur Deutung: Wie ich oft sage, trifft Sexismus immer beide Seiten. Das Patriarchat ist scheiße genug für alle, und wenn Menschen Opfer des Systems werden, akzeptieren sie ihre Rollen und füllen sie, so gut sie können. Sie bleiben zu Hause, halten den Mund und fürchten die Nacht, oder sie definieren sich über Kraft und Unnahbarkeit und gucken böse durch die Gegend.</p>
<p>Ein lächelnder Mann scheint kein männlicher Mann zu sein. Erst kürzlich sprach ich mit Freundinnen über einen Mann, der sensibel ist, freundlich, Zugang zu seinen Gefühlen hat und alles in allem ein angenehmer Zeitgenosse. &#8220;Feminin&#8221;, lautete das Urteil der beiden Freundinnen.<br />
Das ist bedenklich. Sobald ein Mann seine Rolle anders füllt, ist er kein Mann mehr. Das führt natürlich dazu, dass die Rollen absolut stabil bleiben, denn Ausnahmen bestätigen sofort die Regel. Wenn jemand Ausländer blöd findet, und sein bester Kumpel ist Pole, dann wird er sagen &#8220;Naja, der Pjotrek ist eben nicht wie die anderen Ausländer&#8221;. Analog zu &#8220;dieser Mann ist irgendwie feminin&#8221; würde er vielleicht sagen &#8220;Pjotrek ist irgendwie deutsch&#8221;. Das ist bekloppt, denn diese Erfahrungen sollten eigentlich dazu führen, dass die Vorurteile schwinden, anstatt dass man die jeweiligen Rollen noch deutlicher sieht.</p>
<p>Wenn Männer also finster blicken, werte ich das als Zeichen, dass sie in den für sie vorgesehenen Rollen bleiben. Die Frage nach Freiwilligkeit stellt sich nicht (Sozialisation und Gesellschaft prägen unseren Willen &#8211; ist er dann frei? Die Frage führt zu nichts, also stellt sie sich nicht), aber es stellt sich die Frage nach der Richtigkeit dieser Rollen. Ich verneine diese Frage: Die Rollen sind bullshit. Jede Rolle, aus der man nicht rausdarf, ist bullshit.</p>
<p>Deshalb: Lächeln ist Emanzipation. Freundlichkeit ist Antisexismus. Offenheit ist Freiheit.</p>
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		<title>We ourselves are responsible?</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Feb 2008 10:29:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>teilnehmer1</dc:creator>
				<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Mei hat mich in den Kommentaren zu einem Artikel auf ihr Blog hingewiesen, in dem sie eine Einladung zu einer profeministischen Woche zitiert. Diese Woche hat weiße Mittelschichtsmänner zur Zielgruppe, und es geht um die damit verbundenen Privilegien. Ich stimme dem Tenor der Einladung in weiten Teilen zu: Tatsächlich gibt es diese Privilegien, tatsächlich sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mei hat mich in den Kommentaren zu einem Artikel <a href="http://www.iheartdigitallife.de/?p=147" title="L'homme nouveau">auf ihr Blog hingewiesen, in dem sie eine Einladung</a> zu einer profeministischen Woche zitiert. Diese Woche hat weiße Mittelschichtsmänner zur Zielgruppe, und es geht um die damit verbundenen Privilegien. Ich stimme dem Tenor der Einladung in weiten Teilen zu: Tatsächlich gibt es diese Privilegien, tatsächlich sind sie nicht fair, tatsächlich müssen all jene Privilegien eingeebnet werden, die nur auf dem Rücken anderer errichtet worden sind.</p>
<p>Was mich stört an der Einladung ist die Haltung zu den männlichen Gefühlen hinsichtlich dieser Privilegien:</p>
<blockquote><p>Certainly, there can be psychological discomfort related to our exercise of domination, a malaise, an unease, but this must not be mixed up with the very much harsher experience of being oppressed.</p></blockquote>
<p>Soweit richtig. Wie ich auch schon schrieb, darf es nicht um ein Aufrechnen gehen. Das Problem, auf Täterrollen festgelegt zu sein, ist nach bestimmten Maßstäben weniger schlimm, als auf Opferrollen festgelegt zu sein.<br />
Allerdings ist nach irgendwelchen Maßstäben der ganze Feminismus des 21. Jahrhunderts überflüssig, und immer mehr Leute legen diese Maßstäbe an, junge Frauen, die der Meinung sind sie könnten doch jetzt alles tun, was sie wollen, und junge Männer, denen die ganze Emanzipation auf die Nerven geht. Woanders verhungern Kinder, das ist doch schlimm.</p>
<p>Eine solche Aufrechnung aber ist falsch, denn es gibt keine begrenzten Ressourcen. Eine Beschäftigung mit den Schwierigkeiten an der Männerrolle ist nötig und korrekt, und nimmt niemandem etwas weg. Die Logik der Einladung aber erklärt diese Schwierigkeiten für nichtig und nicht diskussionsbedürftig:</p>
<blockquote><p>These male problems (psychological discomfort related to our exercise of domination) are “boomerang effects” for which only we ourselves are responsible. We may [never be oppressed] because of the fact of our being a member of the class of men.</p></blockquote>
<p>Unfug! Die überwiegende Mehrheit der aktuell lebenden Männer hat sich weder ausgesucht, in patriarchalen Verhältnissen zu leben, noch trägt sie absichtsvoll zu diesen Verhältnissen bei. Auch in Machtrollen kann man hinein gezwungen werden, und sich darin scheiße zu fühlen ist ja wohl der beste Motor für eine andere Beschäftigung mit Geschlecht, für ein Interesse an anderen Männerrollen.</p>
<p>Was wohl gemeint ist, ist Folgendes: Männer werden nicht zu Opfern des Feminismus, nur weil sie sich als Männer unwohl fühlen. Richtig, und leider gibt es Männer, die sich gegen Antisexismus wehren, sich angegriffen fühlen, und das halte auch ich für Quatsch. Was aber in der Einladung zusätzlich mitschwingt, ist eine Vermischung von Patriarchat (als gesellschaftliche Struktur) mit Geschlecht (als persönliches Merkmal). Damit konstruiert die Einladung eine Schuld des einzelnen Mannes an der gesellschaftlichen Struktur: &#8220;We ourselves are responsible&#8221;.</p>
<p>Das, so möchte ich anmerken, ist genau der Täterschaft-Verantwortung-Service-Film, von dem ich <a href="http://teilnehmer.ws/?p=197" title="Täterschaft">letztens schrieb</a>. Wer sich als Mann schlecht fühlt, muss selber schuld sein, denn wir haben ja die starken, guten Rollen.</p>
<p>Das ist so, als dürfte ein Mann, der einen Job nicht bekommt, der eine Aufgabe nicht schafft, der eine Beziehung nicht rettet, niemals auf Mitleid zählen, denn er war ja Täter, schlicht weil er ein Mann ist. &#8220;We ourselves are responsible&#8221;. Bullshit.</p>
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		<title>Täterschaft</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Feb 2008 07:34:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>teilnehmer1</dc:creator>
				<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich glaube, dass viele Männer keinen Bock auf Emanzipation haben, weil ihr Verständnis des Wortes bedeutet: Ich muss mich dann verändern. Ich muss irgendwas lernen, heißt also: Gerade kann ich was noch nicht. Auch die im Grunde sehr guten Beispiele von der ausgesprochen schlauen und differenzierten Dodo, über die ich letztens schrieb, sind defizitär: Männer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich glaube, dass viele Männer keinen Bock auf Emanzipation haben, weil ihr Verständnis des Wortes bedeutet: Ich muss mich dann verändern. Ich muss irgendwas lernen, heißt also: Gerade kann ich was noch nicht. Auch die im Grunde sehr guten Beispiele von der ausgesprochen schlauen und differenzierten <a href="http://maedchenblog.blogsport.de/2008/02/07/neue-maenner-braucht-das-land/" title="Mädchenblog">Dodo</a>, über die ich letztens <a href="http://teilnehmer.ws/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=186" title="Gendergaza">schrieb</a>, sind defizitär: Männer können momentan bestimmte Dinge nicht.</p>
<p>Mein Verständnis von Emanzipation ist ja eher eines, das Freiheiten schafft. Manchmal kann das heißen, dass man etwas Neues darf/ will/ kann, manchmal kann das aber auch heißen, dass man bisher vorhandenen Ballast abwirft. Heute geht es um eins dieser letzteren Themen.</p>
<p>Mit &#8220;Täterschaft&#8221; bezeichne ich hier nicht vorrangig tatsächliche Täterschaft (zum Beispiel weil jemand jemand anderen ausraubt), sondern, öhm, introjizierte Täterschaft, so eine Art Grundhaltung des Täter-Seins. Diese introjizierte Täterschaft von Männern steht einer introjizierten Opferschaft von Frauen gegenüber, einer Opferschaft, die heißt: Ich bin nicht schuld. Das ist bequem, aber unfrei. Genau aus diesen Opferrollen (Tür aufhalten, sich helfen lassen, nicht befördert werden) haben sich Frauen jetzt seit Jahren befreit, und tun es noch. Weibliche Emanzipation hieß zu Teilen: Rollen möglich machen,  die nicht per se schwach/ unterwürfig/ hilfsbedürftig waren. Bei den Frauen hieß das auch, viel Widerstand von männlicher Seite zu überwinden, bzw. <a href="http://teilnehmer.ws/?p=111" title="besser, weil: Sexismus trifft immer beide Seiten">besser</a>: Patriarchale Strukturen zu überwinden.</p>
<p>Aber zurück zur Täterschaft. Vielleicht kennt ihr die. Ein prominentes Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung ist die Situation, als ich mir ein Eis kaufte, und, da ich noch nicht nach Hause wollte, noch kurz auf den Kinderspielplatz ging, um den Kleinen beim Spielen zuzuschauen. Das Kind aus meiner WG war vor einiger Zeit ausgezogen, ich fand das schade, denn ich mag Kinder. Und als ich da so auf dem Spielplatz saß, ein leckeres Eis in der Hand, knuffige Kinder um mich rum, merkte ich so ein mulmiges Gefühl, das die eine oder der andere Leserin vielleicht auch hat. Mann auf Spielplatz. Hm.</p>
<p>In solchen Momenten wird mir aufgrund meines Geschlechts Täterschaft unterstellt.</p>
<p>Ebenso passiert es, wenn Frauen aus Angst vor mir die Straßenseite wechseln, oder, im Kleinen, wenn mich jemand für seine Probleme verantwortlich macht. Gerade letzteres mit sich machen zu lassen, halte ich für eine eher männliche Unart: Jemandem geht es schlecht, ich stecke zurück, verbiege mich ein bisschen, und helfe. Jemand weint, ich bin Kavalier und tröste. Aber will ich das gerade wirklich?</p>
<p>Verantwortung, ein Thema für echte Kerle, hat viel mit Täterschaft zu tun. Schuld ebenso.</p>
<p>Sich von dieser Täterschaft zu befreien wäre ein Thema einer männlichen Emanzipation, wie sie mir vorstellbar erscheint. Und bei diesem Thema geht es nämlich eben nicht um ein Defizit, um ein &#8220;Hier müssen Männer etwas lernen&#8221;, sondern genau um ein &#8220;Moment mal, Männer sind eigentlich ganz okay&#8221;. Denn, seien wir ehrlich: Es ist ein absolutes Unding, dass ich nicht ruhigen Gewissens mein Eis auf dem Kinderspielplatz essen kann. Das, was da in den Köpfen anderer passiert unterscheidet sich in nichts von fürchterlichen Vorurteilen wie &#8220;Schwule wollen mich bestimmt vergewaltigen&#8221; (die Seifengeschichten und so) oder &#8220;Frauen wollen immer nur Kinder&#8221;. Übrigens fällt mir beim Schreiben auf, dass es bei Männern immer eher um Gewalt geht&#8230; Interessant. Das muss man mal verfolgen.</p>
<p>Jedenfalls: Ich hab keinen Bock mehr, immer Täter zu sein. Und um kurz den Schwenk zu meiner These zu machen, dass jeder Sexismus immer beide Seiten trifft: Indem Männer ihre Täterrollen ablehnen, wird es für Frauen auch eher möglich, sich aus Opferrollen zu befreien. Weil ein Mann in seinem Täterschaft-Verantwortung-Service-Film natürlich einer Frau im Zweifelsfall viel abnimmt, auch viel Eigenverantwortung. Wenn ich &#8211; entschuldigt das klassische Beispiel &#8211; sage &#8220;Tut mir leid, dass es dir schlecht geht, aber ich glaube, ich habe nichts falsch gemacht&#8221;, ermöglicht das für mich eine Befreiung von Schuld, und für sie eine Konfrontation mit dem, was jetzt bei ihr los ist, um sich selbst zu helfen.</p>
<p>Ich nehm ihr den Packen nämlich nicht ab, wenn es nicht meiner ist.</p>
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		<title>Gendergaza</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Feb 2008 11:18:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>teilnehmer1</dc:creator>
				<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Puh, den Feminismus gibt&#8217;s jetzt ein paar Jahre, und der Art, über Geschlecht zu sprechen, merkt man das an: In der Diskussion zu dem Artikel, über den ich heute schreiben will, habe ich kaum etwas verstanden. Namedropping, Kommunismuskritik&#8230; Da kann ich nicht mithalten. Aber von vorn. Im Mädchenblog schreibt Dodo folgendes: Frauen bauen ihre Rollenzuweiseungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Puh, den Feminismus gibt&#8217;s jetzt ein paar Jahre, und der Art, über Geschlecht zu sprechen, merkt man das an: In der Diskussion zu dem Artikel, über den ich heute schreiben will, habe ich kaum etwas verstanden. Namedropping, Kommunismuskritik&#8230; Da kann ich nicht mithalten.</p>
<p>Aber von vorn. Im <a href="http://maedchenblog.blogsport.de/2008/02/07/neue-maenner-braucht-das-land/" title="Mädchenblog: Neue Männer braucht das Land">Mädchenblog</a> schreibt Dodo folgendes:</p>
<blockquote><p>Frauen bauen ihre Rollenzuweiseungen immer mehr aus oder ab, die Männer stecken in ihren Klischees fest. Während Mama und Papa der kleinen Susi sagen, daß sie alles werden kann, auch Astronautin, wird dem kleinen Mäxchen immer noch eingetrichtert, daß Jungs nicht weinen, kochenlernen nicht notwendig und Puppen nur für Mädchen sind. [...]<br />
Wir brauchen also auch eine Männeremanzipation.</p></blockquote>
<p>Das ist absolut richtig, und die Beispiele sind gut:</p>
<blockquote><p>Mädels können in Hosen rumlaufen, mit Bagger und Nintendo spielen und auf Bäume klettern.  Die Jungs? Mit Barbies spielen und  gar Röcke oder Kleider anziehen? Womöglich noch in <em>rosa</em>??? Schock!<br />
Frauen werden Architektinnen, Bademeisterinnen und Bundeskanzler. Aber Männer? Können die Kindergärtner, Arzthelfer oder Geburtshelfer werden?<br />
Fazit: Männer dürfen dies und das, Frauen dürfen alles.</p></blockquote>
<p>Nun kann man einwenden, dass die meisten Männer keine Lust haben, Röcke anzuziehen. Andererseits &#8211; <a href="http://www.mann-kann-auch.de/">manche wollen das schon</a>, und können nicht, und zudem ist fraglich, <em>warum</em> die meisten Männer das nicht wollen. Wollen sie es nicht wollen, oder können/ dürfen sie es nicht wollen?</p>
<p>Aber das nur am Rande, im Wesentlichen habe ich das ja selber schonmal <a href="?p=111" title="Der goldene Käfig des Patriarchats">ausgeführt</a>. Worum es mir heute eher geht, ist der <strong>Diskurs,</strong> der sich in den Kommentaren bei Dodo ergab. Der hat mich nämlich nicht nur (a) in weiten Teilen abgehängt, sondern vor allem (b) in zweierlei Hinsicht erschreckt:</p>
<ol>
<li>gab es dort einen Kommentar, der im Wesentlichen hieß: &#8220;Ich als Mann will vor allem in Ruhe gelassen werden, die Emanzen wollen immer an mir rumverändern&#8221;</li>
<li>gab es dort ebenso einen Kommentar, der im Wesentlichen hieß: &#8220;Warum sollen die Männer sich emanzipieren, erstmal müssen sich ja wohl die Frauen nach jahrelanger und anhaltender Unterdrückung zu Ende emanzipieren&#8221;. Energie auf die Männer zu verwenden wäre Verschwendung.</li>
</ol>
<p>In beiden Kommentaren kommt meiner Meinung nach ein falsches (oder mindestens unzeitgemäßes) Verständnis von Emanzipation zu Tage, nämlich von Emanzipation als eine Art Medikament, das man verabreicht und das bestimmte Wirkungen hat. Der erste Kommentar nimmt Nebenwirkungen wahr, die er nicht will (Veränderungszwang), der zweite will die Zielwirkung den Männern vorenthalten (weil die Frauen noch nicht gesund sind).</p>
<p>Wenn der Begriff &#8220;Emanzipation&#8221; so verstanden wird, kann ich verdammt gut verstehen, warum Leute in Abwehrhaltung gehen, wenn man ihnen damit kommt. Ich für meinen Teil habe Emanzipation aber immer als Streben nach Freiheit aufgefasst, und ein Diskurs über das Thema muss diesem Gedanken folgen. Wenn jemand sagt &#8220;Bestimmte Sachen sind mir in dieser Gesellschaft nicht möglich, ohne dass es dafür stichhaltige Gründe gibt&#8221;, dann <em>muss</em> die Reaktion sein: &#8220;<strong>Wow, das ist schlecht. Was tust du dagegen? Kann ich helfen?</strong>&#8220;.<br />
Sowohl die Reaktion &#8220;Ja, meinst du denn ich kann alles machen, schau lieber mal wie&#8217;s mir geht&#8221; wie auch &#8220;Ja, und schuld sind jene, denen diese Sachen möglich sind&#8221; gehen völlig an der notwendigen Richtung von Emanzipation vorbei.</p>
<p>Und weil das so ist (das kann ich überhaupt nicht genug betonen) ist eine Diskussion über Frauen- bzw. Männerbewegung immer und notwendigerweise zugleich eine Diskussion über Gesellschaftsstrukturen an sich, und in weiten Teilen ist die Frage des betroffenen Geschlechts nebensächlich.</p>
<p>Ja, natürlich verdienen Frauen weniger Geld für die gleiche Arbeit, und da muss noch was passieren. Gesellschaftlich haben wir aber Strukturen, die bestimmten Menschen bestimmte Rollen zuschreiben, eine Wertigkeit, eine Verantwortung, eine Pflicht. Das ist unabhängig von Geschlecht kritisierenswürdig. Und eine solche Kritik kommt nicht in eingeschränkter Dosis, sodass man erstmal das eine Geschlecht gesundemanzipieren muss, und dann kommt der nächste Patient. Eine solche Kritik ist immer eine beidseits wirksame.</p>
<p>Oder, anders gesagt: Eine moderne Emanzipation muss in meinen Augen eine sein, die Sinn macht, ohne zu wissen welches Geschlecht man selber hat. Eine moderne Emanzipation muss also immer unter dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schleier_des_Nichtwissens">Schleier der Nichtwissens</a> verstehbar und einleuchtend sein. Sonst handelt es sich nicht um eine Befreiung von gesellschaftlichen Strukturen, sondern um ein Umstrukturieren. &#8220;Jetzt bauen wir euch mal eine Mauer&#8221;, &#8220;Jetzt reißen wir euch mal was kaputt&#8221;, &#8220;Jetzt ignorieren wir mal eure Bedürfnisse und kümmern uns nur um uns&#8221;.</p>
<p>Eine Art genderbezogener Gazastreifen wäre das. Wo niemand recht hat und niemand glücklich wird.</p>
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		<title>Der goldene Käfig des Patriarchats</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jan 2008 09:45:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>teilnehmer1</dc:creator>
				<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern in einem Gespräch fiel mir auf, dass es einen entscheidenen Unterschied zwischen der schon lange geschehenden Frauen- und der noch zu beginnenden Männerbewegung gibt, und dass dieser Unterschied die beiden Bewegungen zu einer macht. Aber von vorn. Ich sagte es schon, Männer sind auf Machtrollen festgelegt, das sind im Zweifel die einfacheren, dankbaren Rollen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern in einem Gespräch fiel mir auf, dass es einen entscheidenen Unterschied zwischen der schon lange geschehenden Frauen- und der noch zu beginnenden Männerbewegung gibt, und dass dieser Unterschied die beiden Bewegungen zu einer macht. Aber von vorn.</p>
<p>Ich sagte es schon, Männer sind auf Machtrollen festgelegt, das sind im Zweifel die einfacheren, dankbaren Rollen, und doch sind sie darin gefangen. Die Frauen, die die Emanzipation begannen, waren damals auf Unterwürfigkeitsrollen festgelegt, und um sich davon zu befreien &#8211; um also Hosen zu tragen, zu arbeiten, zu wählen &#8211; mussten sie sich gegen die Männer stellen, mussten sich ihnen gegenüber behaupten und ihnen Befugnisse abtrotzen.</p>
<p>Interessanterweise definiert sich in meinen Augen eine Männerbewegung nicht über einen Kampf gegen weibliche Privilegien, sondern ebenfalls über den Kampf gegen die männlichen Privilegien. Das ist im Grunde auch sehr einleuchtend, denn das Patriarchat legt allen Beteiligten Fesseln an, und zieht die Fäden für die Fesseln aus männlichen Rollen. Wehrt man sich gegen Sexismus, wehrt man sich gegen das Patriarchat, ganz gleich, welches Geschlecht man für sich in Anspruch nimmt.</p>
<p>Das macht eine Männerbewegung womöglich schwieriger, denn dieser Umstand wird es nötig machen, uns selbst genauer zu betrachten, unsere Männerrollen. Das ist möglicherweise auch der Punkt, an dem die Frauenbewegung ihren Schwung verloren hat: Eine Zeitlang waren die Schritte klar, es ging um Rechte, die ein Teil der Bevölkerung (Männer) hatte, und ein anderer (Frauen) nicht. Seit den (ich schätze) 90ern aber sieht sich die Frauenbewegung mit Frauen und Mädchen konfrontiert, die der Meinung sind, sie wären doch frei, sie würden sich eben gern schick anziehen, sich schminken und auf Gangbangs gehen, das wäre doch lustig, und Emanzipation wäre nicht mehr nötig. Ist doch schön, wenn mir jemand die Tür aufhält. Und im dritten Reich war vieles schlecht, manches aber auch gut, zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter.</p>
<p>Genauso blicken wir Männer auf die Regeln des Patriarchats: Ist doch schön, einen guten Job zu haben und für die Familie zu sorgen, ich geh gern einen saufen, ist doch lustig, ich kann doch machen was ich will.</p>
<p>Aber genau das stimmt leider nicht. Lenelotte von Bothmer (SPD) kam 1970 in Hose statt in Rock in den Bundestag, und sorgte so für einen Eklat. Das ist Zivilcourage. Das ist &#8220;Freiheit von Unterdrückung&#8221;. Aber wer von uns Männern würde auch nur im Wollpulli zu einer Besprechung gehen, wenn alle anderen Anzug tragen? Und ist ein Männerrock wirklich so viel verrückter, als es 1970 die Hosen waren? Der Bundestagsvizepräsident hatte vorher angekündigt, Frauen in Hosen wären mit der Würde des Parlaments nicht vereinbar, und er würde ihnen ein Redeverbot erteilen (1970!! Das muss man sich mal vorstellen). Dagegen ist das bisschen belächelt-werden bei Männerröcken ja wohl ein Scherz.</p>
<p>Prestige ist die Währung, für die wir unsere Freiheit verkaufen, und Privilegien sind die Streben des goldenen Käfigs, in dem wir sitzen und herabschauen auf das, was wir für unsere Möglichkeiten halten.</p>
<p>Und genau deswegen ist es keine Männerbewegung, die sich gegen die Frauenbewegung stellen muss, die etwas &#8220;zurückerobern will&#8221;. Genau deswegen glaube ich ebenso, dass auch die Frauenbewegung aufhören muss, gegen Männer zu wettern (was auch immer weniger gemacht wird, wenn ich das richtig deute). Es geht um Strukturen.</p>
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		<item>
		<title>Übersexualisierung</title>
		<link>http://teilnehmer.ws/?p=77</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Jan 2008 07:28:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>teilnehmer1</dc:creator>
				<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Man mag mich der Sensationsgier beschuldigen, aber interessant ist es doch: In Schweden gibt es eine Gruppe von Frauen, die aus emanzipatorischen Gründen das Recht einfordern, in Schwimmbädern (genau wie die Männer) oben ohne sein zu dürfen: Die jungen Frauen sehen den Zwang, ihre Brust zu bedecken, als Symptom der Übersexualisierung von Frauenkörpern. &#8220;Es ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man mag mich der Sensationsgier beschuldigen, aber interessant ist es doch: In Schweden gibt es eine Gruppe von Frauen, die aus emanzipatorischen Gründen das Recht einfordern, in Schwimmbädern (genau wie die Männer) oben ohne sein zu dürfen:</p>
<blockquote><p>Die jungen Frauen sehen den Zwang, ihre Brust zu bedecken, als Symptom der Übersexualisierung von Frauenkörpern. &#8220;Es ist diskriminierend, dass Frauen ein Oberteil an der Badebekleidung haben müssen, während Männer mit freier Brust baden dürfen&#8221;, sagte die Aktivistin Sanna Ferm.<br />
<a href="http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,528259,00.html" title="Spiegel Online: Schimmbad-Emanzipation"><strong>Spiegel Online</strong></a></p></blockquote>
<p>Das ist spannend. Der Punkt mit der Übersexualisierung ist nämlich eigentlich recht schlau, und führt mich zu einem Punkt, der auch für die männliche Emanzipation relevant ist. Er passt sogar gut auf die Aktionen in Schweden:</p>
<blockquote><p>Die Aktionen endeten jedes Mal mit einem Rausschmiss durch die Bademeister: Die fürchteten, dass gerade die männlichen Gäste abgelenkt würden.</p></blockquote>
<p>Soso, Männer werden also automatisch, aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Sexualität, von nackten Frauenkörpern abgelenkt, und das ist ihnen nicht zuzumuten&#8230; Nun will ich nicht ausschließen, dass auch ich da genauer hinschauen würde. Ich mag Brüste, vielleicht auch aufgrund der Übersexualisierung.</p>
<p>Hinter dem Rausschmiss steckt aber ein Gedanke, der das Männerbild in unserer Gesellschaft stark prägt: Männer hätten einen unbändigen, kaum zu kontrollierenden Sexualtrieb.</p>
<p>Dieser Gedanke färbt die Wahrnehmung von Männern (durch sie selbst und andere) deutlich ein: Viele meiner Freundinnen berichten von Enttäuschung und Verwunderung, wenn ihre männlichen Partner mal keine Lust auf Sex haben. Männer hätten doch immer Lust! Auch die große Tabuisierung von erektiler Dysfunktion (der Begriff <em>Impotenz </em>ist Teil der Verknüpfung von Sexualität und Selbstwert, darum benutze ich ihn nicht) passt dazu: Ein Mann muss immer können, wenn das nicht geht, ist er kein ganzer Mann. Und wenn ich eine Frau anspreche, ob sie mal mit mir Kaffee trinken geht, denkt sie möglicherweise, ich möchte nur ihren Körper. Wenn eine Frau sie das gleiche fragt, denkt sie eher, sie möchte Kaffee.</p>
<p>Der Übersexualisierung des weiblichen Körpers steht also eine Übersexualisierung des männlichen Geistes gegenüber. Nun werden viele von euch denken: &#8220;Nun ja, aber tatsächlich sind Männer doch mehr an Sex interessiert. Man schaue nur mal zur Pornobranche&#8221;. Hier verhält es sich ähnlich wie bei den weiblichen Körpern: Auch hier gibt es einen breiten Konsens, dass der sehr sexy ist, man schaue nur mal zur Pornobranche. Nichtsdestotrotz ist das nicht unbedingt Wahrheit, sondern nur soziale Übereinkunft, bzw. Norm. Und solche Normen schränken ein. Ähnlich, wie sich Frauen erkämpft haben, eben doch eine Sexualität zu haben, eben doch eine Weiblichkeit jenseits von Mütterlichkeit, genauso müssen meiner Meinung nach Männer dafür einstehen, neue Rollen zu kriegen.</p>
<p>Ich zumindest empfinde diese Übersexualisierung meines Geistes, und die daraus folgende Reduzierung meiner Person auf meinen Geschlechtstrieb als beleidigend. Ich werde nämlich nicht sofort willenlos, nur weil jemand ein schönes Exemplar von Haut, Fett und Bindegewebe herzeigt &#8211; und wer sich an dieser Formulierung stört, den verweise ich auf die Übersexualisierung des weiblichen Körpers.</p>
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		<title>Männlichkeit</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jan 2008 16:03:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>teilnehmer1</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schon seit längerem bin ich unzufrieden damit, wie man als Mann seine männliche Rolle füllt, oder vielleicht eher, welchen Raum die männliche Rolle so bietet. Aber von Beginn: Ich halte mich für einen Antisexisten. Im Gegensatz zu Feministen bin ich nicht der Meinung, dass eine besondere Förderung der einen Gruppe zu mehr Gleichheit hinsichtlich der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon seit längerem bin ich unzufrieden damit, wie man als Mann seine männliche Rolle füllt, oder vielleicht eher, welchen Raum die männliche Rolle so bietet.</p>
<p>Aber von Beginn: Ich halte mich für einen Antisexisten. Im Gegensatz zu Feministen bin ich nicht der Meinung, dass eine besondere Förderung der einen Gruppe zu mehr Gleichheit hinsichtlich der jeweils anderen Gruppe führt. Desweiteren bin ich sehr angetan vom Postfeminismus, aber eigentlich nur, weil er konstruktivistische Ideen und Geschlechtertheorien zusammenbringt:</p>
<blockquote><p>Im Postfeminismus werden sowohl das biologische Geschlecht (sex) wie das soziale Geschlecht (gender) als gesellschaftliche Konstrukte angesehen und deshalb als Klassifikationseinheiten abgelehnt. [...] Angenommene Gemeinsamkeiten/Geschlechtsidentitäten werden aufgelöst/dekonstruiert. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass es so viele Identitäten gibt, wie es Menschen gibt.<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Postfeminismus" title="Wikipedia: Postfeminismus"><strong>http://de.wikipedia.org/wiki/Postfeminismus</strong></a></p></blockquote>
<p>Allerdings geht auch der Postfeminismus von der Frau aus &#8211; das leuchtet mir pragmatisch zwar ein, immerhin sind Frauen nach wie vor in vielen Bereichen benachteiligt, was nicht hinzunehmen ist, und zudem kommt der Postfeminismus nunmal aus der Frauenbewegung, wo naturgemäß mehr Frauen als Männer sind.</p>
<p>Sexismus aber trifft immer beide Seiten. Frauen sind oft auf schwächere Rollen festgelegt: Die Vorurteile sagen, dass Frauen öfter weinen, nicht so stressfähig sind, usw. Wer jetzt einwendet, dass das doch aber statistisch durchaus so wäre, dem sei entgegnet: Natürlich, denn Menschen wählen die Rollen, die ihnen angeboten werden. Erziehung und Gesellschaft sind aufgefordert, da mehr Rollen zugänglich zu machen. Aber dazu gleich.<br />
Jedenfalls steht dem Festlegen von Frauen auf schwächere Rollen das Festlegen von Männern auf stärkere Rollen gegenüber. Männer ertragen alles, Männer kriegen Flaschen auf, Männer bleiben Herr der Lage. Obwohl die stärkeren Rollen häufig auch welche mit mehr Privilegien und gesellschaftlicher Achtung sind, bleibt eines: Männer werden festgelegt.</p>
<p>Männer und Frauen sind also meiner Meinung nach beide von Sexismus betroffen, weil sie auf Rollen festgelegt werden, die sie nicht frei wählen. Von mir gern gewähltes Beispiel ist das heterosexuelle Paar, wo Er mal keine Lust auf Sex hat. Mit gewisser Wahrscheinlichkeit fühlt er sich unzuverlässig, machtlos und inkompetent, kurz: unmännlich, und sie dafür unattraktiv, wenig begehrenswert und abgelehnt, kurz: unweiblich. Klischee gebrochen, alle leiden&#8230;</p>
<p>Nun interessiere ich mich mehr für die Geschlechteridentität von Männern &#8211; zum Einen, weil ich selber Mann bin, mit all den Unsicherheiten und weißen Flecken auf der Karte, die halt so dazugehören, wenn es seit 40 Jahren eigentlich kein neues Männlichkeitsbild gibt, und zum Anderen, weil bei den meisten Männern noch nichtmal das Bewusstsein da ist, dass eine &#8220;Befreiung&#8221; von einigen Rollen eine gute Sache sein könnte.</p>
<p>Schon seit längerem frage ich mich, was Männer tun können, um sich&#8230; ja, um sich zu befreien. Die Fesseln des Patriarchats schnüren auch uns ein. Wir werden erfolgreich, muskulös oder einflussreich, arbeiten an Beliebtheit und Sexappeal, und das alles, ohne zu wissen, warum oder wofür.</p>
<p>In den nächsten Tagen werde ich mal versuchen, hie und da Aspekte von Männlichkeit zu beleuchten, die mir wichtig scheinen, um mehr Freiheit zu haben. Denn mit &#8220;Männer müssen auch mal weinen dürfen&#8221; ist es beileibe nicht getan &#8211; Wir können, das erwähnte ich oben, immer nur die Rollen wählen, die auch vorhanden sind. Unbekanntes, nicht beschriebenes zu leben, ist schwer, und es braucht für jede neue Rolle Vorreiter. Das war bei der weiblichen Emanzipation so, und wird bei der männlichen nicht anders sein. Also müssen wir Vorbilder finden oder sein.</p>
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