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Der Islam braucht keine Wunder

17 01 2008 - 14:57, teilnehmer1
Kultur
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Immer reg ich mich darüber auf, dass der Islam so niedergemacht wird, aber natürlich ist das falschrum. “Denk jetzt nicht an einen blauen Elefanten” funktioniert nicht, die Vorstellungskraft hat keine Funktion für “nicht”, und genauso wenig funktioniert es, den Islam nicht mehr zu bashen. Man muss etwas stattdessen tun.

Man muss ihn kennenlernen.

Meine Erfahrungen mit dem Islam sind spärlich. Vor kurzem habe ich mir einen Koran gekauft, aber – genau wie die Bibel – ist er voll mit Geschichten, deren Bildersprache mich befremdet, und deren Bedeutung für die Moderne gering ist. Und wenn man erst anfängt, umzuinterpretieren, kann man ohnehin besser selber denken.

Die bedeutendste Erfahrung mit dem Islam hatte ich auf einem Sufi-Abend. Sufis sind, wenn ich das richtig verstanden habe, die Mystiker des Islams, deren wichtigsten Glaubensaspekt die Wikipedia treffend mit “Einheit des Seins” beschreibt, auf arabisch Wahdat-ul-Wujood. Dazu gleich. Dieser Sufi-Abend jedenfalls war sehr schön, mit besonnenen Menschen, die gemeinsam mit mir den Worten des Sufis lauschten, die sowohl beruhigten wie verwirrten, und im Anschluss konnte ich besser als nach vielen, vielen Gottesdiensten verstehen, was Leute meinen, wenn sie sagen, dass sie Gott lieben. Das fand ich ein beachtliches Ergebnis, immerhin bin ich tendenziell Atheist und mir missfällt das Pochen der Religionen auf ihre eigene Wahrheit. “Mein Gott ist der Coolste!” – “Nein, mein Gott ist der Coolste”. Zu diesem Zweck empfehle ich übrigens die Lektüre von “Schiffbruch mit Tiger” von Yann Martel.

Wie gelang es also, dass mir der Abend dennoch gefiel? Die Antwort lautet Wahdat-ul-Wujood. Die Einheit des Seins. Der Sufi hat erzählt, dass es einen wichtigen Unterschied gibt zwischen Christen und Muslimen, dass nämlich die Christen immer Wunder als Beweise bekommen oder gebräucht hätten, um an ihren Gott zu glauben. Wasser teilen, Wasser zu Wein, Dornbusch, der Wal… alles voll von Wundern. Bei den Muslimen gibt es keine Wunder – ihr Prophet ist ja auch nicht der Sohn Gottes (tada!), sondern Mohammed, ein armer Waisenknabe aus Mekka.

Warum gibt’s keine Wunder? Weil es nicht nötig ist. Gott muss man nicht beweisen, Gott ist einfach da. Überall. Sieh dich um, und du erkennst das Wunder, das man Gott nennen kann: Geburt, Natur, Zivilisation, Freiheit, ein schöner Stein, ein guter Moment, Glück. Das alles zeigt: Allah ist schön und liebt die Schönheit. Oder eben, doch ein wenig interpretiert: Allah ist gut und liebt das Gute. Alles ist eins, alles ist Gott.

Nun besteht auch hier das Theodizee-Problem (Warum gibt es Leid, wenn Gott gut ist?), doch das Problem haben nun wirklich alle monotheistischen Religionen, das kann man niemandem vorhalten. Mir als… nicht direkt Gläubigem ist jedenfalls diese Auffassung von Göttlichkeit als immer vorhandenes Prinzip, als Naturgesetz, als Wahdat-ul-Wujood sehr nah, denn es ist näher an einer philosophischen Betrachtung der Welt, als es das Christentum für mich jemals war. Und dann ist die muslimische Liebe zu Gott für mich gut zu begreifen als Liebe zur Welt, und des Islam als Lehre davon, wie man die Welt liebt. Das gefällt mir.

Ein Kommentar zu “Der Islam braucht keine Wunder”

  1. Gegenargument: Die Moslems sind alle Extremisten : teilnehmer.ws

    [...] planen und verüben, erweisen ihrer Religion einen gehörigen Bärendienst. Dabei ist der Islam ganz schön, wie mir [...]

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