Moblog: Gegenüberwachung

Der goldene Käfig des Patriarchats

15 01 2008 - 10:45, teilnehmer1
Männlichkeit
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Gestern in einem Gespräch fiel mir auf, dass es einen entscheidenen Unterschied zwischen der schon lange geschehenden Frauen- und der noch zu beginnenden Männerbewegung gibt, und dass dieser Unterschied die beiden Bewegungen zu einer macht. Aber von vorn.

Ich sagte es schon, Männer sind auf Machtrollen festgelegt, das sind im Zweifel die einfacheren, dankbaren Rollen, und doch sind sie darin gefangen. Die Frauen, die die Emanzipation begannen, waren damals auf Unterwürfigkeitsrollen festgelegt, und um sich davon zu befreien – um also Hosen zu tragen, zu arbeiten, zu wählen – mussten sie sich gegen die Männer stellen, mussten sich ihnen gegenüber behaupten und ihnen Befugnisse abtrotzen.

Interessanterweise definiert sich in meinen Augen eine Männerbewegung nicht über einen Kampf gegen weibliche Privilegien, sondern ebenfalls über den Kampf gegen die männlichen Privilegien. Das ist im Grunde auch sehr einleuchtend, denn das Patriarchat legt allen Beteiligten Fesseln an, und zieht die Fäden für die Fesseln aus männlichen Rollen. Wehrt man sich gegen Sexismus, wehrt man sich gegen das Patriarchat, ganz gleich, welches Geschlecht man für sich in Anspruch nimmt.

Das macht eine Männerbewegung womöglich schwieriger, denn dieser Umstand wird es nötig machen, uns selbst genauer zu betrachten, unsere Männerrollen. Das ist möglicherweise auch der Punkt, an dem die Frauenbewegung ihren Schwung verloren hat: Eine Zeitlang waren die Schritte klar, es ging um Rechte, die ein Teil der Bevölkerung (Männer) hatte, und ein anderer (Frauen) nicht. Seit den (ich schätze) 90ern aber sieht sich die Frauenbewegung mit Frauen und Mädchen konfrontiert, die der Meinung sind, sie wären doch frei, sie würden sich eben gern schick anziehen, sich schminken und auf Gangbangs gehen, das wäre doch lustig, und Emanzipation wäre nicht mehr nötig. Ist doch schön, wenn mir jemand die Tür aufhält. Und im dritten Reich war vieles schlecht, manches aber auch gut, zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter.

Genauso blicken wir Männer auf die Regeln des Patriarchats: Ist doch schön, einen guten Job zu haben und für die Familie zu sorgen, ich geh gern einen saufen, ist doch lustig, ich kann doch machen was ich will.

Aber genau das stimmt leider nicht. Lenelotte von Bothmer (SPD) kam 1970 in Hose statt in Rock in den Bundestag, und sorgte so für einen Eklat. Das ist Zivilcourage. Das ist “Freiheit von Unterdrückung”. Aber wer von uns Männern würde auch nur im Wollpulli zu einer Besprechung gehen, wenn alle anderen Anzug tragen? Und ist ein Männerrock wirklich so viel verrückter, als es 1970 die Hosen waren? Der Bundestagsvizepräsident hatte vorher angekündigt, Frauen in Hosen wären mit der Würde des Parlaments nicht vereinbar, und er würde ihnen ein Redeverbot erteilen (1970!! Das muss man sich mal vorstellen). Dagegen ist das bisschen belächelt-werden bei Männerröcken ja wohl ein Scherz.

Prestige ist die Währung, für die wir unsere Freiheit verkaufen, und Privilegien sind die Streben des goldenen Käfigs, in dem wir sitzen und herabschauen auf das, was wir für unsere Möglichkeiten halten.

Und genau deswegen ist es keine Männerbewegung, die sich gegen die Frauenbewegung stellen muss, die etwas “zurückerobern will”. Genau deswegen glaube ich ebenso, dass auch die Frauenbewegung aufhören muss, gegen Männer zu wettern (was auch immer weniger gemacht wird, wenn ich das richtig deute). Es geht um Strukturen.

5 Kommentare zu “Der goldene Käfig des Patriarchats”

  1. Oliver

    … recht interessanter antisexistischer Männer-Weblog:

    http://maennerinfo.twoday.net

    LG Oliver
    (was wir Männer jedenfalls machen sollten: Die White Ribbon Kampagne gegen Gewalt an Frauen unterstützen – http://www.whiteribbon.at – weiß nicht ob es das auch in Deutschland gibt …)

  2. Täterschaft : teilnehmer.ws

    [...] waren. Bei den Frauen hieß das auch, viel Widerstand von männlicher Seite zu überwinden, bzw. besser: Patriarchale Strukturen zu [...]

  3. mei

    ich mache mal auf einen eintrag bei mir aufmerksam, der zu dem eintrag passt: http://www.iheartdigitallife.de/?p=147

  4. Michael

    Super Beitrag! So wird es auch klar, warum sich viele Männer so schwer tun mit ihrer eigenen Emanzipation, denn sie wollen weder ihre Machtposition aufgeben noch von Männern in Machtpositionen belächelt oder gar bekämpft werden. So ist es auch klar, warum rocktragende Männer eher bei Frauen als bei vielen Männern auf Sympathie stoßen, obwohl wir in Röcken doch für eine Verbesserung männlicher Lebensqualität stehen.

    Gruß!
    Michael

  5. Jürgen64

    Tja, die Problematik sehe ich auch an meinem Faible für den Rock: scheinbar wertet Mann sich in den Augen seiner Geschlechtsgenossen ab, wenn er weiblich konnotierte Kleidung trägt; und kurioserweise auch in den Augen mancher Frauen! So lange es diese Abwertung gibt, sind wir von der Gleichberechtigung noch weit entfernt.

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