Moblog: Gegenüberwachung

Minority Report

22 01 2008 - 09:56, teilnehmer1
Kultur, Technologie
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Minority Report ist wider Erwarten ein sehr guter Film. Trotz einiger Szenen, in denen es ein wenig zu klamaukig oder ein bisschen zu kitschig war, ist es ein richtig klasse Film, was ich angesichts einer großen amerikanischen Produktion nicht so ohne weiteres erwartet hätte. Aber gut, Vorurteile sind da, um sie zu revidieren.

Zur Aktualität des Plots muss im Grunde nicht viel gesagt werden. “Der Zweck heiligt die Mittel” ist die Parole, die gerade viel zitiert wird, und wenn Videoüberwachung doch hilft (was es ja nicht tut, aber das sei jetzt mal dahingestellt), dann muss man ein paar Einschränkungen eben in Kauf nehmen. In Minority Report ist der Zweck das Verhindern von Kapitalverbrechen. Medial begabte “Pre-Cogs” können Morde vorraussehen. Eine Sondereinheit wertet die Visionen aus und vereitelt das Verbrechen. Der Mörder wird noch vor seiner Tat festgenommen und für den zukünftigen Mord bestraft.

Die Geschichte entspinnt sich dann um die Möglichkeit falscher Alarme, die Frage nach dem freien Willen und die Manipulierbarkeit des Systems. Wirklich ein feiner Film.

Was mich aber am meisten mitgenommen hat, war die Nähe der heutigen Technologie an dem ganzen Technologiekram dort. Natürlich nicht die “Pre-Cogs”, nein, aber ganz viele technische Spielereien sind wie im Film oder ähnlich bereits auf dem Markt oder in Entwicklung. “Eye-Dentification” sind Iris-Scans. Gibt es. Im Film werden sie zum Einen zur Identifikation verwendet – das kann kommen, sobald der Personalausweis Irisdaten drin hat. Außerdem bekommen die Leute personalisierte Werbung aufgrund eines solchen Scans. Im Netz haben wir das mit Cookies und Userdaten (Beispiel: StudiVZ), im wahren Leben haben wir zumindest schon RFID-Chips, für die es ja immer wieder mal Stimmen gibt, die einzupflanzen – natürlich nur bei Straftätern… Aber wie man an den Begehrlichkeiten der Musikindustrie an den Daten aus der Vorratsdatenspeicherung gesehen hat, können privatwirtschaftliche Ideen da schneller kommen, als einem lieb ist.

Im Film gibt es auch Sick-Sticks, Schlagstöcke, deren Berührung unmittelbar Übelkeit und Erbrechen auslöst. Das erinnert mich von Sinn und Zweck her an Taser, weil es ebenso um “Nicht-Tödlichkeit” geht, und weil es ebenso fies anmutet und dadurch eine abschreckende Wirkung hat, die gerade durch die Nicht-Tödlichkeit größer wird (weil man weniger als bei einer Pistole daran zweifelt, dass das Ding auch eingesetzt wird). Übrigens auch, weil bei Sick-Sticks sicherlich hie und da mal jemand an seinem Erbrochenen erstickt, ebenso wie es eben bei Tasern hie und da mal Todesfälle gibt. Vor allem dachte ich aber auch an den schlimmsten Gestank der Welt, von dem ben_ mir letztens erzählte, und der als Waffe eingesetzt werden soll. Gibt’s noch nicht, ist wohl auch schwierig, aber die Idee ist da.

Die Distopien können gar nicht so scheiße sein, als dass die Realität sie nicht irgendwann überholt. Erschreckend.

Ein Kommentar zu “Minority Report”

  1. DNA-Analyse für alle. : teilnehmer.ws

    [...] Ich dachte immer, zumindest in Deutschland wären verfassungsrechtliche Grenzen der Grund für diese Einschränkung gewesen. Da müssen wir mal abwarten. Irgendwie erinnert mich das an Minority Report. [...]

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