MP3s: Handtaschen und Hufschmiede
MP3s sind eine feine Sache. Mit MP3s meine ich jegliches digitale Musikformat, dass universell abgespielt werden kann und schön klein ist. OGG-Dateien sind also auch eine feine Sache.
2 Punkte würde ich in dem Zusammenhang gern ansprechen, einen kurz, den anderen etwas länger.
Handtaschen
Es nervt mich fürchterlich, dass bei der Verfielfältigung von MP3s oder bei Filmen immer von Diebstahl gesprochen wird, beispielsweise in diesen unsäglichen Trailern (wie frech die sind… ich KAUFE eine DVD, und dann muss ich Propaganda schauen, deren Ziel ich noch nichtmal bin…).
Bits sind jedenrfalls keine Atome. Bits sind Information. Und niemand hat weniger von einem Stück, wenn jemand anders es zusätzlich auch hat. Das ist so, als wenn man einer alten Frau die Handtasche klaut, und sie ihre aber dennoch weiter behält. Taschentücher, Geld… alles noch da, alles aber auch beim “Dieb”. Die einzige, die das schlimm finden kann, ist die Firma, die die Handtaschen herstellt, und genauso passiert es ja auch.
Nun mache ich selber Musik, und finde das Argument, dass Künstler ja auch etwas von ihren Werken haben sollen, sehr hübsch. Das klingt immer so künstlerfreundlich. Allerdings muss man da abwägen – Wohl des Künstlers vs. Wohl der Gesellschaft. Bei Musik ist das noch nicht ganz so drängend mit dem Urheberrecht, bei Medikamenten merkt man es deutlicher. Wenn irgendwelche Firmen AIDS-Medikamente hätten, und man könnte sie ohne Kosten allen Infizierten zugänglich machen, dann muss das geschehen. Genauso:
“Also wenn wir alle Bücher der Welt, allen Menschen mit einem Computer zukommen lassen können, für fast kein Geld, dann müssen die paar Autoren halt auf ihre Kohle verzichten oder vom Staat kriegen, auf jeden Fall aber müssen wir das machen.”
via ben_
Bezogen auf die Musik schreit das nach neuen Vertriebswegen. Das bringt mich zu Punkt 2:
Hufschmiede
Wie schon angedeutet: Nicht die Künstler profitieren von dem bisherigen System, sondern vor allem die Handtaschenhersteller, vulgo: die Musikindustrie.
Die Grafik (Link führt zu größerer Version; Quelle: weiß ich nicht mehr, war so’n Magazin…) zeigt, was da alles dranhängt. Die CDs werden hergestellt, transportiert, irgendjemand steht am Tresen und verkauft sie… Beim Künstler bleiben knapp 15% hängen. Fünf-Zehn! In der Grafik sagen die, ne CD kostet 17 Euro, hängen bleiben 2,20 Euro.
Was bedeutet das? Dreierlei. Zum Einen hab ich keine Lust mehr, dass ich mir ständig das Gejammere über die armen Künstler anhören muss. Dahinter steckt die Proftgier eines ganzen Wirtschaftszweiges. Zum Anderen bedeuten die augenblicklichen Klagen (in beiden Wortsinnen) nur, dass die Musikindustrie Hufschmiede sind. MP3s sind Autos. Das Netz ist Autos. Recording-Software ist Autos. Niemand braucht noch Hufschmiede. Das ist natürlich schade, aber so ist das mit dem Fortschritt. Trotzdem werden sich Leute immer noch fortbewegen (=komponieren), und viele Leute werden ihre Post oder Besuch bekommen (=Musik hören). Aber halt nicht mehr zu Pferd. Radiohead hat es vorgemacht, indem sie ihre Scheibe direkt ans Netz gepackt haben.
Drittens heißt das aber übrigens auch, dass ich MP3s aktuell für frech teuer halte. Zig Leute fallen aus der Gewinnkette, wieso zahl ich immer noch so viel, als wären die alle noch da? Bleiben wir mal bei den Zahlen von oben: Die Künstler kriegen 2,20€ je CD. Sagen wir der Einfachheit halber mal, das sind 22 cent je Track. Wieso soll ich bei Amazon 68 cent zahlen? 46 cent nur für Amazon? Oder kriegen Künstler plötzlich mehr? Lasst euch nicht verarschen. Lassen wir uns nicht verarschen. Ich halte 40 cent für einen angemessenen Preis, gesetz den Fall die Künstler bekommen den Löwenanteil. Und dass mir keiner kommt, das wären nur 28 cent Differenz. Wenn Amazon am Tag nur 100 MP3s verkauft sind das im Jahr knapp 10.000 Euro. Und die verkaufen nicht nur 100 MP3s. Dass das so frech teuer sein kann, liegt daran, dass der alte Hufschmied zwar stirbt, aber da gibt’s jemand Neues, der Reifen herstellt. Und wieder ist das ziemlich monopolistisch.
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[...] ist ja unabdingbar. Er geschieht momentan bei den Hufschmieden und Handtaschenherstellern der Musikindustrie, und ich prophezeie ihren [...]