Moblog: Gegenüberwachung

Die Hufschmiede werden gehen müssen.

21 05 2009 - 12:02, teilnehmer1
Recht und Gesetz
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In der Zeit hat Frau Gaschke vor kurzem einen Artikel gehabt, in dem sie über die kulturellen Auswirkungen von Musiktausch spricht, und den Teufel einer kalten, kargen Kulturwüste an die bunte Wand wirft.

Ich war nicht ihrer Meinung und habe einen Widerspruch geschrieben, der nicht veröffentlich wurde, den ich aber hier gern posten will, weil ich ihn für einen weiteren Eintrag gern als Grundlage hätte.

Nicht die Kultur stirbt – nur die Verteilung der Inhalte ändert sich. Die Menschen entscheiden sich nicht gegen die Kultur: Sie wollen lesen, sie wollen Musik hören. Aber es erscheint ihnen nicht richtig, für etwas zu bezahlen, das sie selbst erledigen können – was ja einleuchtend ist. Pleitegehen werden deshalb nicht die Künstler und Autoren, sondern Plattenfirmen und Verlage. Das ist bedauerlich, aber es entspricht der Zeit. Auch die Hufschmiede mussten gehen, als Automobile erfunden wurden, obwohl sich die Menschen nicht gegen Mobilität entschieden hatten. Und mit E-Mails haben wir uns auch nicht gegen die Kommunikation entschieden, sondern nur in Teilen gegen die Post.

Die Vertriebswege machen keinen Sinn mehr. Wieso müssen Verlage und Plattenfirmen, Vertrieb und Einzelhändler alle finanziert werden, nur weil ich Musik hören möchte? Wieso zahle ich diesen Menschen so viel Geld für einen Vorgang, der aufgrund des technischen Fortschritts nur ein paar Cents kostet? Frau Gaschke, wir werden betrogen. Wir zahlen Menschen für Dienste, die wir nicht mehr benötigen. Wir brauchen keine Hufschmiede mehr, und wir brauchen keine Plattenfirmen.

Was wir brauchen, ist Mobilität, oder eben Musik. Kunst. Literatur. Und die Leute, die diese Dinge schaffen, müssen vergütet werden – hier stimme ich Ihnen zu. Aber die bisherigen Strukturen, das zu tun, sind Unfug. Wenn doch die Künstler nur 10% des Ladenpreises sehen, wieso unterhalten wir dann Strukturen, die den ganzen Rest auffressen?

Die Antworten hierauf sind leider schwierig. Es hat mit kulturellem Wandel zu tun, mit anderen Formen von Abgaben für Kultur (Stichwort Kulturflatrate), und das sind gesellschaftliche Fragestellungen (nicht vorrangig rechtliche). Und genau deshalb passt der Vergleich mit der Steuerhinterziehung nicht. Steuerhinterziehung bricht mit unserem Wertekonsens. Aber bei geistigem Eigentum ändert sich der Wertekonsens momentan.

Und die Hufschmiede werden gehen müssen – es ist unabwendbar.

3 Kommentare zu “Die Hufschmiede werden gehen müssen.”

  1. Die Selbstzerstörung von Microsoft : teilnehmer.ws

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  2. ben_

    Jan! Großartiger Widerspruch. Dass der in der Zeitung nicht abgedruckt wurde, gibt Dir ein weiteres Mal recht. Ein Medium, in dem für sowas kein Platz ist, hat es nicht verdient eine Zukunft zu haben.

  3. teilnehmer1

    Vielen Dank – ich glaube, es gab gerade auch die Debatte um die Schulreform und die Demo in Hamburg, und manchmal neigt die ZEIT ja zu einer gewissen Provinzbezogenheit, wenn es um Hamburg geht.
    Außerdem kriegen die bestimmt ne Menge Widersprüche :)

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