Moblog: Gegenüberwachung

Besucher zu Arbeitern zu Vieh.

19 11 2009 - 10:15, teilnehmer1
Allgemein
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Soeben am Frühstückstisch kamen wir auf das Thema Page Impressions zu sprechen. Page Impressions (PIs) beschreibt die Häufigkeit von Klicks auf einer Seite. Jeder neue Klick öffnet eine neue Seite, zack, eine PI mehr.

Damals, als Adblock Plus rauskam (ein Add-On für den Firefox, mit dessen Hilfe Werbung auf Websites nicht mehr angezeigt wird), waren einige Leute der Meinung, dass wäre nicht fair. Immerhin würde man einen Service nutzen, der sich durch Werbung finanziert, und wenn man die ausblendet, schummele man. Obwohl da irgendwie was dran ist, hat mir das nie ganz eingeleuchtet. Es ist ein bisschen so, als sollte man beim Privatfernsehen möglichst auch nicht wegzappen während der Werbung. Kommt auch kein Mensch drauf.

Jedenfalls ist schon in dieser Idee einer Verantwortung für den Dienst, den ich nutze, eine Rollenveränderung sichtbar, die es auch durch Page Impressions gibts.

Ihr müsst wissen: Werbekunden zahlen für Page Impressions, also haben Website-Betreiber ein Interesse daran, möglichst viele Page Impressions hinzukriegen. Das ist der Grund für absurde Photostrecken  (gerade schönes Exemplar gesehen: Stars in Lack und Leder. Ich spar mir den Link) oder Minigames auf Seiten, wo man das eigentlich nicht erwartet. Die machen eben Clicks, die machen PIs, die machen Geld.

Moment mal: DIE machen Geld? Machen nicht wir Besucher dieses Geld, indem wir klicken? Vorhin fiel es mir zum ersten Mal auf: Die Seitenbetreiber werfen uns Hindernisse in den Weg, sodass wir mehr arbeiten müssen für das Informationsangebot. Wir müssen umblättern, obwohl wir lieber scrollen würden; wir müssen bestätigen und bestätigen, obwohl wir nur downloaden wollen.

Und wir erschaffen dadurch einen Mehrwert. Diese Firmen verdienen an uns. Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Aber steigt meine Rente, wenn ich auf diesen Seiten unterwegs bin? Bin ich sozialversichert? Hab ich Aktien an diesen Firmen?

In der realen Welt werden wir entlohnt, wenn wir für jemanden Mehrwert erschaffen. Im Volksmund nennt man das: Für jemanden arbeiten.

Aber hier werden wir nur gemolken. Wir sind weder Besucher noch Arbeiter, wir sind eigentlich nur das Vieh, das man benutzt, um Geld zu erschaffen. Das erscheint mir nicht richtig.

Ein Kommentar zu “Besucher zu Arbeitern zu Vieh.”

  1. ben_

    Mit WEM unterhälst Du Dich denn über sowas beim Frühstück, großer Gott?! Ich meine … das verdirbt einem doch den ganzen Appetit. Das ganze Themenfeld alleine schon!

    Was Du konstatierst – und das ist überigens selbst für mich als “Brancheninsider” eine lustige Perspektive, die Du da wählst – was Du da festhälst ist die große Krux vor der die Werbebranche steht, wenn sie ins Internet schaut: Was ist dort Werbung? Oder anders – wofür bezahlen wir als Werbende eigentlich? Was wollen wir da?

    Darauf gibt es tausende und doch keine Antwort. Das Problem ist: In allen vorherigen Medien waren die Spielräume für Werbung (ebenso wie für redaktionelle Inhalte) sehr eng, weil die Medien einfach, ja simplizistisch waren. Im Fernsehen ist halt das Naheligendste entweder Sendezeit (Spots) oder Bildschirmfläche (Einblendungen) zu verkaufen. Was anderes geht eigentlich nicht wirklich. In der Zeitung hab ich sogar nur noch Fläche. Mehr gibt’s nicht. Das multipliziert man mit der vermuteten Anzahl an Zuschauern / Lesern und schon hat man einen Preis.

    Woran berechnet man den Preis für Werbung im Internet? Woran sollte man ihn berechnen? Sag Du es mir Jan! Ich bin neugierig.

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