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Männlichkeit

10 01 2008 - 17:03, teilnehmer1
Männlichkeit
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Schon seit längerem bin ich unzufrieden damit, wie man als Mann seine männliche Rolle füllt, oder vielleicht eher, welchen Raum die männliche Rolle so bietet.

Aber von Beginn: Ich halte mich für einen Antisexisten. Im Gegensatz zu Feministen bin ich nicht der Meinung, dass eine besondere Förderung der einen Gruppe zu mehr Gleichheit hinsichtlich der jeweils anderen Gruppe führt. Desweiteren bin ich sehr angetan vom Postfeminismus, aber eigentlich nur, weil er konstruktivistische Ideen und Geschlechtertheorien zusammenbringt:

Im Postfeminismus werden sowohl das biologische Geschlecht (sex) wie das soziale Geschlecht (gender) als gesellschaftliche Konstrukte angesehen und deshalb als Klassifikationseinheiten abgelehnt. [...] Angenommene Gemeinsamkeiten/Geschlechtsidentitäten werden aufgelöst/dekonstruiert. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass es so viele Identitäten gibt, wie es Menschen gibt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Postfeminismus

Allerdings geht auch der Postfeminismus von der Frau aus – das leuchtet mir pragmatisch zwar ein, immerhin sind Frauen nach wie vor in vielen Bereichen benachteiligt, was nicht hinzunehmen ist, und zudem kommt der Postfeminismus nunmal aus der Frauenbewegung, wo naturgemäß mehr Frauen als Männer sind.

Sexismus aber trifft immer beide Seiten. Frauen sind oft auf schwächere Rollen festgelegt: Die Vorurteile sagen, dass Frauen öfter weinen, nicht so stressfähig sind, usw. Wer jetzt einwendet, dass das doch aber statistisch durchaus so wäre, dem sei entgegnet: Natürlich, denn Menschen wählen die Rollen, die ihnen angeboten werden. Erziehung und Gesellschaft sind aufgefordert, da mehr Rollen zugänglich zu machen. Aber dazu gleich.
Jedenfalls steht dem Festlegen von Frauen auf schwächere Rollen das Festlegen von Männern auf stärkere Rollen gegenüber. Männer ertragen alles, Männer kriegen Flaschen auf, Männer bleiben Herr der Lage. Obwohl die stärkeren Rollen häufig auch welche mit mehr Privilegien und gesellschaftlicher Achtung sind, bleibt eines: Männer werden festgelegt.

Männer und Frauen sind also meiner Meinung nach beide von Sexismus betroffen, weil sie auf Rollen festgelegt werden, die sie nicht frei wählen. Von mir gern gewähltes Beispiel ist das heterosexuelle Paar, wo Er mal keine Lust auf Sex hat. Mit gewisser Wahrscheinlichkeit fühlt er sich unzuverlässig, machtlos und inkompetent, kurz: unmännlich, und sie dafür unattraktiv, wenig begehrenswert und abgelehnt, kurz: unweiblich. Klischee gebrochen, alle leiden…

Nun interessiere ich mich mehr für die Geschlechteridentität von Männern – zum Einen, weil ich selber Mann bin, mit all den Unsicherheiten und weißen Flecken auf der Karte, die halt so dazugehören, wenn es seit 40 Jahren eigentlich kein neues Männlichkeitsbild gibt, und zum Anderen, weil bei den meisten Männern noch nichtmal das Bewusstsein da ist, dass eine “Befreiung” von einigen Rollen eine gute Sache sein könnte.

Schon seit längerem frage ich mich, was Männer tun können, um sich… ja, um sich zu befreien. Die Fesseln des Patriarchats schnüren auch uns ein. Wir werden erfolgreich, muskulös oder einflussreich, arbeiten an Beliebtheit und Sexappeal, und das alles, ohne zu wissen, warum oder wofür.

In den nächsten Tagen werde ich mal versuchen, hie und da Aspekte von Männlichkeit zu beleuchten, die mir wichtig scheinen, um mehr Freiheit zu haben. Denn mit “Männer müssen auch mal weinen dürfen” ist es beileibe nicht getan – Wir können, das erwähnte ich oben, immer nur die Rollen wählen, die auch vorhanden sind. Unbekanntes, nicht beschriebenes zu leben, ist schwer, und es braucht für jede neue Rolle Vorreiter. Das war bei der weiblichen Emanzipation so, und wird bei der männlichen nicht anders sein. Also müssen wir Vorbilder finden oder sein.

4 Kommentare zu “Männlichkeit”

  1. Feylamia

    Lohnt sich das Lesen des Beitrags? Ich habe nach “Im Gegensatz zu Feministen bin ich nicht der Meinung, dass eine besondere Förderung der einen Gruppe zu mehr Gleichheit hinsichtlich der jeweils anderen Gruppe führt.” vorsichtshalber aufgehört, weil der Satz meinen Blutdruck so stark steigen ließ. :D

  2. teilnehmer1

    Ich bin durchaus der Meinung, dass sich das lohnt, gebe aber zu, dass ich der letzte bin, der da objektiv ist :)
    Steig mal bei “Sexismus aber trifft immer beide Seiten” wieder ein.

  3. Oliver

    … die Sozialwissenschaft spricht ja mittlerweile in der Mehrzahl: MännlichkeitEN – da es offensichtlich kulturell, regional und historisch ziemlich unterschiedliche Ausprägungen von Männlichkeit gibt …

    Ein interessantes Projekt dazu:

    http://www.masculinities.org .

    (oder mit Google nach diesen Wörtern suchen …)

    LG Oliver

  4. teilnehmer1

    Hallo Oliver,
    vielen Dank für den Link hier (und den beim goldenen Käfig)! Und schön, dass sich endlich mal ein Mann zu diesen Themen zu Wort meldet – ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass sehr viele Männer schlicht kein Interesse an einer Männer”bewegung” haben, was ja natürlich auch ihr gutes Recht ist. Trotzdem schön, mal Feedback zu kriegen. Links sind gebookmarkt, wir sehen uns!

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